Pixum-Gründer Daniel Attalah im Interview: So verändert KI Fotobücher

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Seit der Gründung von Pixum im Jahr 2000 hat sich die Fotowelt stark verändert. Wie hat sich das Nutzungsverhalten der Kunden in dieser Zeit gewandelt?

Im Wesentlichen kann man fünf große, teils disruptive Phasen identifizieren:

In der ersten Hälfte der 2000er verabschiedete sich der Konsument von der analogen Kompaktkamera und kaufte überwiegend digitale Kameras. Dies war mit einer gravierenden Veränderung des Fotofinishing-Marktes verbunden, denn nunmehr musste nicht mehr der Film verkauft werden, sondern die Abzüge selbst. In der analogen Welt mussten die Abzüge ja nicht wirklich “verkauft” werden, sondern sie wurden “GEkauft”, weil man schließlich wissen wollte, was man aufgenommen hatte…

Foto: Pixum

In der zweiten Hälfte der ersten Dekade kamen zwei Veränderungen hinzu. 2007 kam das erste Apple iPhone auf den Markt und es kündigte sich an, dass die hier verbauten Kameras den gleichen Markt adressierten wie digitale Kompaktkameras. Im Laufe der Entwicklung der Smartphones wurden die Kameras immer besser und lösten die digitalen Kompaktkameras ein paar Jahre später ab. Parallel dazu entstand das “FOTOBUCH” – die Möglichkeit, nicht mehr einzelne Prints zu kaufen und sie zuhause in Alben einzukleben, sondern fertig gestaltete Bücher mit den eigenen Fotos in einem professionell gebundenen Buch.

Die erste Änderung hatte starke Auswirkungen auf die Hersteller digitaler Kompaktkameras und die zweite auf die Fotofinishing-Industrie. Beide sind durchaus als disruptiv zu beschreiben. Wer keine hochwertigen Kameras herstellte, hatte verloren und wer nicht in die Produktion von Fotobüchern investierte, ebenso.

In der zweiten Dekade wurden die Smartphones immer leistungsfähiger und auch die Kameras wurden so gut, dass automatisch das Bedürfnis entstand, die Fotos, die man nun schon auf dem Handy hatte, auch mit dem Handy zu bestellen. Das war und ist ein schleichender Prozess, der bis heute anhält. Inzwischen werden aber schon mehr Fotos und Fotobücher über mobile Bestellwege (vor allem unsere Pixum App) bestellt als über Desktop-Computer oder Notebooks.

Die letzte starke Veränderung ist seit ca. fünf Jahren in vollem Gange. KI ermöglicht es uns, den Kunden den Erstellungsprozess von Fotobüchern signifikant zu erleichtern. Von der Auswahl der Fotos bis zum Layout-Vorschlag sind das die neuen Themen, die sich in verändertem Nutzungsverhalten bemerkbar machen. Noch sind wir nicht so weit, ein Fotobuch mit einem Prompt zu erstellen, aber wir arbeiten daran. Es ist durchaus denkbar, dass künftig ein Vorschlag eines neuen Fotobuches mit einem Prompt gestaltet wird, wie z. B. “Erstelle mir ein schönes Familien-Fotobuch aus unserem letzten Urlaub in Frankreich. Nutze klare Seiteneinstellungen und Layouts in gedeckten Farben.”

Pixum bietet Fotoprodukte über Website, App und Desktop-Software an. Wo sehen Sie aktuell den größten Entwicklungsschub: bei Produkten, Gestaltungsmöglichkeiten oder Bestellwegen?

Deutlich bei den letzten zwei. Die Gestaltungsmöglichkeiten werden – wie oben schon angerissen – durch KI-Funktionen ergänzt und bei den Bestellwegen ist die App die Zukunft.

Wie wichtig ist es heute, ein Fotoprojekt flexibel auf mehreren Geräten bearbeiten zu können, etwa am Smartphone zu starten und später am Computer fortzusetzen?

Wir hören immer wieder von Kunden, dass dies ein gewünschtes Feature ist und wir haben das immer wieder genauer untersucht. Es gab auch Startups, die von vornherein kollaborative und plattformunabhängige Gestaltung angeboten haben. Es gibt aber keines dieser Startups mehr, was ein Indiz dafür ist, dass es zwar hier und da die Nachfrage gibt, dass es aber kein “Massentrend” ist, der eine so große Marktresonanz erzeugt, dass solche Startups durchstarten. Wir sehen eher, dass die Wahl des Bestellweges anlass- oder kundenbezogen ist. Es gibt Kunden, für die ist das Erstellen von Fotobüchern quasi ein Hobby. Sie arbeiten bis zu 14 Tage immer wieder an einem Buch, ergänzen Texte und Fotos von Eintrittskarten etc. und das passiert häufig an einem großen Bildschirm. Das „schnelle” Fotobuch, vom letzten „Mallorca-Urlaub” wird auch rasch am Handy gestaltet – ggf. schon Seite für Seite im Urlaub. Anlassbezogen eben: die besondere Safari-Reise am großen Bildschirm und der “Standard-Urlaub” eher am Handy.

Bild: Jeanette Hacet

Pixum setzt unter anderem auf automatische Gestaltungshilfen und smarte Layouts. Wie wichtig werden KI und Automatisierung künftig bei der Erstellung von Fotobüchern und anderen Fotoprodukten?
Wie bereits erwähnt, sehen wir, dass die KI eine deutliche Erleichterung bei der Erstellung von Fotobüchern darstellt. Auch bei der Auswahl der Fotos hilft die KI bereits, was ich persönlich als eine der wichtigsten Hilfen empfinde. Von den 4.500 Fotos meiner Japanreise die 500 tollsten auszusuchen, ist schon die halbe Miete…

Personalisierte Fotoprodukte entwickeln sich laufend weiter. Welche Trends sehen Sie in diesem Bereich aktuell?
In diesem Bereich nehmen wir kaum große Veränderungen wahr. Hier und da gibt es Verbesserungen der Produkte oder Innovationen in Details, aber bei den “Geschenkprodukten” – wie wir sie nennen – zeichnet sich kein neuer Megatrend ab. Wir halten natürlich die Augen
offen, und wenn etwas aufpoppt, werden wir das auch rasch anbieten.

Wir sind bestrebt, unsere Produkte so nachhaltig wie möglich und gleichzeitig wirtschaftlich zu gestalten. So sind beispielsweise alle Pixum Fotobücher FSC-zertifiziert und wir nutzen schon seit Jahren sowohl in den Büros als auch in der Produktion ausschließlich bzw. überwiegend erneuerbare Energie. Ein anderes Beispiel ist die Reduktion von Plastik bei Produktion und Verpackung. Der sogenannte “Blister” unserer SchokoAdventskalender besteht beispielsweise nicht mehr aus Plastik, sondern hauptsächlich aus Kartoffelstärke…

Foto: Pixum

Bei Pixum aus Köln hat es einen Wechsel an der Spitze gegeben:

Gründer und Geschäftsführer Daniel Attallah verließ das Unternehmen Ende Juli 2026 nach mehr als 25 Jahren. Seine Nachfolge trat Thomas Alscheid an, der bereits von 2008 bis 2019 der Geschäftsleitung angehörte und zuletzt das Fotolabor WhiteWall mitführte.