Gastbeitrag: Andreas Erhart, FRITZ!
Deutschland und Österreich verfügen über ein gut ausgebautes Internet, sowohl im Festnetz als auch beim Mobilfunk – doch viele Haushalte und Büros klagen dennoch über eine schlechte WLAN-Verbindung. Zumeist ist jedoch nicht der Internetanbieter schuld, denn bei rund 90 Prozent aller Probleme mit Geschwindigkeit und Reichweite sind die Ursachen auf Fehler bei der Einrichtung des WLANs zurückzuführen. Hier sind die fünf häufigsten WLAN-Sünden – samt Tipps, wie man sie vermeidet.

Fehler 1. Den Router dort aufstellen, wo er am wenigsten stört – und am schlechtesten funktioniert
Immer wieder werden Router hinter dem Fernseher versteckt oder verschwinden in Möbeln. Mitunter findet man den Router sogar in Sicherungskästen aus Metall. Eine schlechte Idee, denn die elektromagnetischen Funkwellen des Routers werden von Stromkabeln, die ebenfalls elektromagnetische Felder erzeugen, gestört oder durch den Metallkasten geschwächt. Auch andere Elektrogeräte sowie feuchte Wände oder eine Fußbodenheizung können für zusätzliche Störungen sorgen. Die Platzierung des Routers mit seinen Wi-Fi-Antennen hat einen großen Einfluss auf die Signalverteilung des WLAN.

Meine einfache Empfehlung: Den Router möglichst zentral, erhöht und frei von Hindernissen aufstellen. Es ist erstaunlich, wie stark sich die Qualität verbessern kann, wenn man den Router nur ein paar Meter umstellt. Das hat nichts mit Feng Shui zu tun – das ist Physik!
Fehler 2. Sich auf einen einzigen Zugangspunkt verlassen
Viele Nutzer erwarten, dass der Standardrouter des Anbieters ein ganzes Haus oder sogar mehrere Etagen abdeckt. Aber selbst der beste Router hat physikalische Grenzen. Besonders bei dicken, feuchten Wänden oder größeren Wohnflächen wird das Signal schnell schwächer. In der Folge sind Signalverstärker bzw. WLAN-Repeater notwendig, die das Wi-Fi-Signal weiter verteilen. Allerdings können Repeater das Wi-Fi Signal nur verlängern, aber nicht verbessern. Beim Kauf eines Wi-Fi-Repeater sollte man auch auf Features und Funktionen wie Tri-Band, Crossband, die Anzahl der Antennen und natürlich auf den Wi-Fi-Standard achten.
Die beste Lösung für stabile WLAN-Abdeckung ist ein Mesh-System, also ein Zusammenspiel mehrerer Zugangspunkte (Router, Repeater, Powerline-Adapter). Diese Systeme verteilen das Signal flächendeckend – ohne Geschwindigkeitseinbußen. Achten Sie dabei auf hochwertige Geräte, die gezielt für den gemeinsamen Einsatz (Mesh) konzipiert sind.
Fehler 3. Falscher oder überlasteter WLAN-Kanal und mangelhafte Nutzung der Bänder
Früher hingen vielleicht zwei Geräte am WLAN – heute sind es oft 10, 20 oder mehr: Smartphones, Tablets, 4K-Fernseher, Spielkonsolen, Kameras, Sprachassistenten usw. – das Wi-Fi funkt sprichwörtlich auf allen Kanälen. Tatsächlich spielen Kanäle eine wichtige Rolle, denn die vom WLAN genutzten Frequenzbänder werden in Kanäle aufgeteilt. Bei 2,4 GHz gibt es 13 solcher Kanäle, die sich gegenseitig stören können. In der Regel können sich nur bis zu drei WLAN-Router diese 13 Kanäle störungsfrei teilen. In Ballungsgebieten mit vielen Haushalten und WLAN-Routern sind Störungen und Überlagerungen bei 2,4 GHz fast unausweichlich. Das 5GHz-Frequenzband bietet deutlich mehr WLAN-Kanäle und kann mehr Daten übertragen. Die höhere Frequenz von 5GHz geht jedoch zu Lasten der Reichweite des Wi-Fi-Signals.
Ein automatischer, intelligenter Kanalwechsel des Routers hilft enorm. Abhilfe schaffen auch Router mit moderner Mehrantennentechnik (MU-MIMO) und Funktionen wie dem „Band Steering“, die viele moderne Router bieten. Dabei werden Geräte automatisch auf die passende Frequenz verteilt – etwa aufs 2,4-GHz-Band für große Reichweite oder aufs 5-GHz-Band für höhere Geschwindigkeit. Zusätzlich kann man wichtige Geräte oder Dienste priorisieren (z. B. fürs Homeoffice), um Engpässe zu vermeiden.
Fehler 4. Den Überblick über die WLAN-Geräte verlieren
Im Laufe der Zeit sammeln sich Altlasten im Netzwerk: ungenutzte Geräte, Störungen durch Geräte wie Drucker, die ein eigenes WLAN-
Signal aussenden, oder sogar Geräte die überhaupt nicht im Netz sein sollten.
Hier hilft ein regelmäßiger Netzwerk-Check: Über die Router-Oberfläche können Sie nicht mehr benötigte Geräte entfernen.
Fehler 5. Gäste-WLAN nicht aktiv oder nur für Gäste
Viele Wi-Fi-Router bieten ein sogenanntes Gäste-WLAN, das eine zweite SSID (Name des WLAN) aussendet und allen dort angemeldeten Endgeräten einen eigenen IP-Adressbereich zuweist, der dann keinen Zugriff auf die Geräte im normalen WLAN ermöglicht. Darüber hinaus gibt es für „Gäste“ weitere Restriktionen d.h. die Clients dürfen nicht alles im Heimnetzwerk machen. Der Name „Gäste“-WLAN verwirrt viele Nutzer und sie nutzen die zweite SSID nicht oder nur sporadisch. Aber genau die Eigenschaften des Gäste-WLANs eignen sich bestens für (fast) alle WLAN-Geräte. Das gilt insbesondere für alle Smart-Home-Geräte, denn diese brauchen keinen Vollzugriff etwa auf einen NAS-Speicher. Nur PCs und Laptops können von dem Vollzugriff im normalen WLAN profitieren. Tipp: Tauscht man die Namen (die SSIDs) von Gäste-WLAN und normalem WLAN, melden sich alle Geräte automatisch im bekannten WLAN an. Und die wenigen Endgeräte mit sensiblen Daten wie PC, Laptop und NAS-Laufwerke verbinden sich mit dem neuen, nun extra geschützten, privaten Netzwerk.

Über den Autor
Andreas Erhart ist seit über zwei Jahrzehnten Country Manager bei FRITZ! für Österreich und kennt sich aus mit WLAN und den stetig steigenden Anforderungen an die drahtlose Verbindung mit dem Internet. Er weiß auch um die Anforderungen der Anwender und die immer komplexeren WLAN-Standards und Limitierungen der Physik Bescheid.
























